Kandidaten für den Anglizismus 2014: Social Freezing

Social Freezing

Social Freezing

Im Sprachlog bespricht Susanne Flach heute den ersten Kandidaten für den Anglizismus des Jahres 2014: Social Freezing – ein Wort, dass es in dieser Form eher im Deutschen als im Englischen gibt und das gegen Ende des Jahres einen deutlichen Popularitätsschub erfuhr, als Apple und Facebook ihren Mitarbeiterinnen anboten, Eizellen für den Fall auf Eis zu legen, dass die Karriere gerade keinen Platz für Kinder lässt.

Die Shortlist für den Anglizismus 2014

Aus über achtzig verschiedenen Vorschlägen hat unsere Jury eine Auswahl von zehn englischen Lehnwörtern getroffen, die 2014 einen deutlichen Anstieg im allgemeinen Sprachgebrauch und öffentlichen Interesse erfahren haben und interessante Lücken im deutschen Wortschatz füllen. Wie in den vorangehenden Jahren werden wir die Wörter auf unserer Shortlist in den nächsten Wochen einzeln vorstellen und ihre Bedeutung, Entlehnungsgeschichte und Rolle für den deutschen Wortschatz untersuchen. Danach wird die Jury aus dieser Liste den diesjährigen Sieger wählen und auch das Publikum kann wieder über seinen Lieblingsanglizismus abstimmen. Die Bekanntgabe des Anglizismus des Jahres erfolgt dann am 27. Januar 2015.

Hier sind die Wortkandidaten der Endrunde 2014 in alphabetischer Reihenfolge:

  • Big Data. Mit der zunehmenden Digitalisierung fallen in allen Bereichen gigantische Datenmengen an, für die der Ausdruck Big Data wie eine drastische Untertreibung wirkt. Im vergangenen Jahr erkannte sogar die Bundeskanzlerin das Potenzial dieser Datenmengen und überlegte öffentlich, ob Big-Data-Mining „vielleicht doch gewinnträchtiger als der Kohlebergbau“ sei.
  • Blackface/Blackfacing. Diese Bezeichnung für eine rassistische Theatertradition, bei der sich weiße Menschen übertrieben stereotypisiert als Schwarze schminken, war schon 2012 nominiert, war aber noch nicht häufig genug. Im vergangenen Jahr gelangte sie unter anderem durch das Verhalten deutscher Fans während des WM-Spiels gegen Ghana und die Diskussion um den niederländischen „Zwarte Piet“ ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit.
  • Emoji. Die detailverliebten Bildschriftzeichen, mit denen wir täglich unsere Kurznachrichten illustrieren, sind weit über ihren Ursprung als bloße Smileys hinausgewachsen, und mit ihrem Aufstieg hat auch das Wort Emoji Einzug in den Sprachgebrauch gehalten. Die BILD erklärte vor ein paar Tagen sogar kurzerhand das Herz-Emoji zum „Wort des Jahres“.
  • Internet of Things. Die zunehmend elektronische Vernetzung betrifft längst nicht mehr nur Computer oder mobile Endgeräte – unsere gesamte Umwelt wird inzwischen über eingebettete Chips in das Internet eigebunden. Internet of Things (oder auch Internet der Dinge nennen Fachleute das bereits, während die Öffentlichkeit noch nichts von den Gefahren ahnt, die etwa von „Zombie-Bügeleisen aus der Hölle“ ausgehen könnten.
  • Phablet. Eine Zeit lang waren Tablets (bei uns Kandidat 2011 und 2012) die großen Geschwister der kleinen Handys. Jetzt wurden aus Handys Smartphones und die fangen an zu wachsen und werden immer tabletähnlicher — Phablets also.
  • Photobombing/photobomben. Wenn ein Foto(motiv) „gesprengt“ wird — also wenn Menschen (meist absichtlich) oder Tiere (meist lustig) durchs Bild laufen, dann photobomben sie es. Photobombing wurde zum „Collins English Dictionary Word of the Year 2014“ gewählt, nachdem sogar die Queen für eine entsprechende „Internetsensation“ sorgte.
  • Selfie. Das digitale Selbstportrait in sprachlicher Verkleinerungsform ist der (un)heimliche Liebling der Massen. Schon 2013 war Selfie rund um die Welt bei Wörterwahlen ganz vorne (auch bei uns) — und hat im letzten Jahr erneut kräftig an kultureller Relevanz zugelegt. Als sprachgeschichtlicher Senkrechtstarter hat Selfie übrigens bereits einen Eintrag im DUDEN.
  • Sexting. Telefonsex war gestern, der mobile Zeitgeist schickt sich schmutzige Kurznachrichten und Nacktbilder per Mobiltelefon. Sprachlich kontaminiert aus Sex und texting (‚s(i)msen‘) — und 2014 bekannt geworden unter anderem aufgrund des Potentials für Cybermobbing unter Jugendlichen.
  • Smartwatch. Wie Smartphone, nur eben als Uhr. Kann viel, soll viel — war 2013 schon nominiert. Und 2014 endlich so etabliert, dass auch Apple die Uhr neu erfinden musste und damit auch dem Wort Smartwatch endgültig zum Durhbruch verhalf.
  • Social Freezing. Die Familienplanung für die Karriere auf Eis legen? Das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen sorgte im vergangenen Jahr vor allem deshalb für Schlagzeilen Aufregung im Feuilleton, weil Apple und Facebook sich mit Anreizen zum Social Freezing – im Englischen eigentlich weniger social-isierend als egg freezing bezeichnet – ins Privatleben ihrer Mitarbeiterinnen einmischten.

Nominierungen für den #anglizismus2014

Die Nominierungsphase ist vorbei, hier sind alle Nominierungen in alphabetischer Reihenfolge. Die Jury wird nun alle Nominierungen darauf hin überprüfen, ob sie die Anforderungen (Neuigkeit/Verbreitung, Lehnwortstatus, Bereicherung des Wortschatzes) erfüllen, und Anfang Januar die Shortlist präsentieren!

A
Apple Watch

B
bashen/Bashing
Beautyblog
Big Data
Bikini Bridge
Bitch
Bitcoin-Mine
Blackfacing/Blackface
Brainjacking

C
Cat Content
Cisgender
Cloud
Cloudspeicher
Commitment
Creeper Cards
Creepypasta
Crowdturfing
Cryptostick
Curved-Bildschirm

D
derailen
Diversity
doxxing

E
Emoji

F
Fappening
Feedreader
Fitness Tracker
Flatscreen
Freistoß-Spray
FTW

G
Gameplayvideo
Gamer
Gamergate
Gauchogate
Glasshole

H
Hashtag
Hater
Hi
Hobbydrohne
Hoodiejournalismus

I
Internet of Things

L
life-tracking
likegeil
lumbersexuell

M
Mansplaining
Mind Marketing
Mipster
MOOC (Massive Open Online Course)
Multicopter
Must-Have

N
Near-field Communication
Normcore

O
onboarden

P
Phablet
photobomben
Phubbing/phubben
Pinkifizierung
Postcrossing
posten

Q
Quantified Self

R
Racial Profiling
Rant
Refugee
Reply
round about

S
Scoop
Self-Tracking
Selfcare
Selfie
Sexting
shamen
Shareconomy
Sidekick
Smartwatch
Social Freezing
socializen
Stalking
stylish
Suglie

T
Ticket
Tinder
Torture Report
Trending-Topic
twittern
Two-Factor-Authentification

U
Uber

V
voten

W
Waterboarding
Wearable (Computer)

[PS. Die Liste ist ohne Gewähr. Wir haben uns Mühe gegeben, alle Nominierungen zu berücksichtigen, aber wenn wir wegen der Vielzahl der Nominierungskanäle (E-Mail, Nominierungsseite, Facebook Twitter) etwas übersehen haben, sind wir für einen entsprechenden Hinweis dankbar und werden das Wort nachtragen!]

Vierte Zwischenmeldung zum #anglizismus2014

Die vierte Zwischenmeldung kommt etwas, da die vergangene Woche im Zeichen einer anderen Wörterwahl – dem Wort des Jahres – stand. Der Sieger Lichtgrenze hat unserem Juryvorsitzenden dabei ja nicht so gut gefallen, aber wenigstens ist es ein durch und durch deutsch-stämmiges Wort, sodass keine Konflikte mit unserer eigenen Wörterwahl zu befürchten sind (bei dem Platz 7 der Wörter des Jahres, dem auch bei uns nominierten Social Freezing hätte das anders ausgesehen!

Auf der Liste neu nominierter Wörter stehen bei uns eine Reihe von Begriffen aus dem Bereich „Geschlechter(verhältnisse)“, wie Bitch, Cisgender, Pinkifizierung und Bikini Bridge. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen werden auch durch die Vorschläge Refugee, Waterboarding und Torture Report abgebildet.

Die sozialen Medien sind mit den Nominierungen Emoji, Feedreader, Trending-Topic und Gameplayvideo mit dabei, und der Bereich neue Technologien steuert Hobbydrohne, Multicopter, Internet of Things, Fitness Tracker, Phablet und Uber bei (wobei letzteres als Eigenname natürlich nicht zulässig ist).

Außerdem gab es lange Reihe von Wiedergängern aus den vergangenen Jahren – die vollständige Liste aller Nominierungen veröffentlichen Mitte der Woche. Obwohl die Nominierungsfrist offziell heute endet, verlängern wir sie nämlich noch bis Mittwoch.

Machen Sie mit beim Endspurt, und nenne Sie uns Ihre Kandidaten für den schönsten, interessantesten oder wichtigsten Anglizismus des Jahres – per E-Mail, über unser Kontaktformular, per Twitter oder auf unserer Facebook-Seite!

Dritte Zwischenmeldung zum #anglizismus2014

Die vierte Nominierungswoche ist vorbei und seit der letzen Zwischenmeldung haben wir viele neue (und alte) Vorschläge für Wortkandidaten bekommen, von denen wir heute die erste Hälfte präsentieren.

Die neuen und/oder sozialen Medien sind immer noch stark vertreten, zum Beispiel mit den Wörtern posten, Reply, Beautyblog, Suglie („Selfie, auf dem man absichtlich hässlich – ugly – guckt“) und das (von einer Werbeagentur erfundene) Phubbing/phubben („das Gegenüber ignorieren und stattdessen auf sein Smartphone starren“, aus Phone + Snubbing).

Mit dem Fappening und der Shareconomy waren auch wieder Wortkandidaten dabei, die nicht Aspekte der neuen/sozialen Medien selbst bezeichnen, sondern die – schlechten und guten – gesellschaftlichen Entwicklungen, die durch sie ermöglicht werden.

Auch das Wort Mipster („muslimischer Hipster“) fällt wohl in diese Kategorie, denn die Hipster-Kultur würde es ohne das Netz wohl in ihrer modernen Form nicht geben. Da die Jury bis heute bereut, den Hipster 2011 nicht zum Anglizismus des Jahres ernannt zu haben, wird sie sich mit diesem Wort natürlich besonders sorgfältig beschäftigen!

Wie immer erstaunlich schwach vertreten sind neue Technologien – traditionell einer der besonders lehnwortreichen Bedeutungsbereiche – hier wurden der Flatscreen und seine Nemesis, der Curved-Bildschirm nominiert.

Schließlich gab es wieder Nominierungen, die bereits einen festen Platz im deutschen Wortschatz haben und damit für den Anglizismus 2015 nicht mehr in Frage kommen dürften – zum Beispiel die Begrüßungsfloskel Hi, das Adjektiv stylish und das Commitment. Ob die ebenfalls nominierten Kandidaten Sidekick und Must-Have im allgemeinen Sprachgebrauch neu genug sind, müssen wir noch genauer untersuchen.

Am Wochenende gibt es die zweite Hälfte der neuen Nominierungen, aber jetzt sind erst einmal Sie wieder an der Reihe – noch knapp zwei Wochen lang können Sie uns Ihre Kandidaten für den schönsten, interessantesten oder wichtigsten Anglizismus des Jahres nennen – per E-Mail, über unser Kontaktformular, per Twitter oder auf unserer Facebook-Seite!