Nominierungen

Alle hassen englische Lehnwörter. Wir nicht. Wir geben jedem neuen Wort, egal, woher es stammt, zunächst einmal die Gelegenheit, seine Nützlichkeit unter Beweis zu stellen und vertrauen darauf, dass die Sprachgemeinschaft überflüssige Wörter schnell wieder aussortiert.

Mit der Wahl zum „Anglizismus des Jahres“ möchten wir den Beitrag, den die englische Sprache zur Entwicklung des Deutschen macht, angemessen würdigen und freuen uns auf Ihre Nominierungen für den „Anglizismus des Jahres 2011“.

Nominiert werden kann jedes Wort, das die folgenden Bedingungen erfüllt:

  • Das Wort stammt ganz oder in Teilen aus dem Englischen.
  • Das Wort ist im Jahr 2011 zum ersten Mal ins Bewusstsein und den Sprachgebrauch einer breiteren Öffentlichkeit gelangt.
  • Das Wort füllt eine interessante Lücke im deutschen Wortschatz, entweder, indem es eine vorhandene Wortbedeutung weiter ausdifferenziert oder indem es ein Wort für etwas bereitstellt, was es vorher nicht gab oder was vorher nur mühsam umschrieben werden konnte.
  • Das Wort ist kein Produktname (außer, dieser Produktname hat sich zu einem allgemein gebräuchlichen Begriff weiterentwickelt).

Nominierungen sollten die folgenden Angaben enthalten:

  • das nominierte Wort;
  • eine authentische Quellenangabe (also ein tatsächliches Beispiel für die Verwendung des Wortes), möglichst mit URL;
  • eine Begründung, warum das Wort „Anglizismus des Jahres“ werden sollte.

[Aktualisierung: Die Nominierungsphase ist beendet].

Bisher nominiert (Stand: 31. Dezember 2011, Endstand): 
Substantive: Bail-out, Barcamp, Boytoy-Freund, Bromance, Bubble Tea, Burn-Out, Carsharing, Casting-Truck, Cloud*, Compliance, Contentfarm, Copy & Paste, Copy-and-Paste-Kultur, Cupcake, Cyberwar/Cyberkrieg, Euro-Bonds, Fazialpalmierung, Fratzenbuch, Hacktivism, Haircut, Handy-Ticketsystem**, Liquid Democracy, Masterand, Meme, Mum/Dad, Nerd, Nerdbrause, Nerdmädchen, Nerdpartei, Occupist, Occupy, Occupy-Bewegung, Onleihe, Partnering, Post-Privacy, Rating/raten, Sale, Science Slam, Scripted Reality*, Shitstorm*, Smartphone, Stresstest, Tablet
Verben: adden*, circlen, frienden**, gendern, liken*, nerven (als Übersetzung von suck), realisieren (in der Bedeutung „einer Sache gewahr werden“), screenshotten, trenden, twittern, whistleblowen**
Adjektive: organisch (als Übersetzung von organic)
Affixe: -gate

* im letzten Jahr schon nominiert
** eng verwandtes Wort im letzten Jahr schon nominiert
Die Liste wird wöchentlich aktualisiert. Es werden alle nominierten Wörter aufgeführt; die Überprüfung der Kriterien erfolgt später.

100 Antworten auf Nominierungen

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  3. Matthias sagt:

    Ich nominiere das Wort “organisch” als direkte Übersetzung von “organic”, welches im Englischen Lebensmittel bezeichnet, die – so das Versprechen – mit besonders wenig Schadstoffen kontaminiert sind. Im Deutschen verwendet man dafür bereits seit vielen Jahren die Suffixe “Bio” oder “Öko”.

    Siehe z.B. hier:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,340539,00.html

    Zitat:
    Der 51-Jährige, der am liebsten in Shorts und Wanderstiefeln ins Büro kommt, begann sich schon als Student für organisches Essen zu interessieren, anfangs jedoch eher aus Eigennutz. Nach mehreren Anläufen brach er das College ab – bis heute hat er keinen Uni-Abschluss – und zog in eine Vegetarierkommune.

  4. Hoi B. sagt:

    Nominiert werden das Wort “Sale”, welches miitlerweile in sämtlichen Kaufhäusern etc. anstelle des ehemaligen Schlußverkaufs verwendet wird.
    Auf eine entsprechende URL verzichte ich, da dieser Begriff in erster Linie im realen Leben ins Auge sicht .

  5. Karoline sagt:

    Ich möchte das Wort “Meme” nominieren.
    Gibts zwar schon länger aber in diesem Jahr ist die Meme-Kultur endgültig zu uns rübergeschwappt. Man liest das Wort jetzt sogar häufiger ohne beistehende Definition.

    http://wissen.dradio.de/youtube-ein-tag-im-leben-des-globalen-dorfs.85.de.html?dram:article_id=13638

    http://www.welt.de/kultur/article13733272/User-raechen-sich-mit-Photoshop-an-Pfefferspray-Cop.html

    Das Wort sollte gewinnen, weil es eine Lücke im deutschen Wortschatz füllt, die durch “viral” nicht völlig abgedeckt werden kann. Außerdem ist es spannend wie die “Copy-Paste-Kultur” durch die vielen Abwandlungen eines einzelnen Memes positiv umgedeutet werden kann(siehe Pepper Spray Cop”).

  6. Inke Du Bois sagt:

    Das Wort “Boytoy” hörte man schon öfter, ich nominiere nun das neue Dreifachkompositum “Boytoy-Freund.” Ich sehe darin eine semantische Erweiterung zum schon länger im Gebrauch stehenden Toyboy, dass einen jüngeren Lover/ Liebhaber referenziert, den sich eine ältere, meist erfolgreiche Frau im Sinne von “Mann als Spielzeug” hält (Madonna, Jlo, etc.). Das neue Kompositum wurde in dem Zusammenhang erwähnt, dass die 42-jährige Jennifer Lopez mit ihrem 24-jährigen neuen Freund und ihren Kindern den Urlaub verbringt und somit als potentieller “Ersatzpapa” in Frage kommt. JLo macht die Beziehung zu dem 18 Jahre jüngeren Mann gegen die Konventionen ihrer katholischen Herkunft öffentlich. Es handelt sich in dem Klatschbericht also nicht nur um eine Affäre (toyboy), sondern eine potentiell längere Beziehung oder zumindest um das Konzept eines offiziellen “Übergangsmannes” (http://www.gala.de/div/3708/Gala-Inhaltsverzeichnis.html).
    (Gala vom 1.12.2011, nicht in der Netzversion)
    http://www.erdbeerlounge.de/stars-entertainment/Jennifer-Lopez-macht-einen-Hubschauerrundflug-20639-_a23568/site1-0-0

  7. Rob sagt:

    Gab es das Wort “Facepalmierung” schon? Das habe ich dieses Jahr ständig gelesen.

  8. Lars Fischer sagt:

    Ich nominiere hiermit den Begriff Science Slam

    Die ersten Science Slams fanden in Deutschland zwar schon vor 2011 statt, aber in diesem Jahr hat sich zum ersten Mal erwiesen, dass Begriff und Idee massentauglich sind. Es gibt in der deutschen Sprache keinen vergleichbaren Begriff, weil das Konzept hier völlig unbekannt war. Die Idee, Wissenschaft unterhaltsam zu präsentieren geht weit über die Veranstaltung Science Slam hinaus und wir können damit rechnen, dass dieses Mittel der Wissenschaftskommunikation, und damit der Begriff, in Zukunft auch aus seinem engen Kontext in die weitere Gesellschaft ausstrahlt.

  9. Benjamin Engels sagt:

    Dem Vorschlag “frienden” würde ich gerne noch das schöne “unfrienden” zur Seite stellen, eine Ableitung vom englischen Neologismus “to unfriend”, der schon 2009 vom Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres gekürt wurde.

    • Statt “unfrienden” hat sich hierzulande eher “entfreunden” eingebürgert – das Präfix ent- scheint mir hier auch das passendere zu sein, zumal “unfrienden” im Deutschen eine unpassende klangliche Nähe zu “anfreunden” aufweist.