2014

Der Anglizismus des Jahres 2014 ist das Wort Blackfacing.

Wörterwolke Anglizismus 2014

1. Blackfacing (Sieger)
2. Big Data
3. Selfie (Publikumsliebling)

Außerdem in der engeren Auswahl waren Social Freezing, Photobombing und Sexting.

Blackfacing. Das Wort Blackfacing ist vom englischen Blackface abgeleitet und bezeichnet die Darstellung schwarzer Menschen durch (häufig stereotyp) geschminkte Weiße, ursprünglich vor allem im Rahmen von Theateraufführungen. Diese Praxis gilt weithin als rassistisch, da sie die komplexe Identität einer diskriminierten Gruppe als Kostüm behandelt, das beliebig an- und abgelegt werden kann und da sie der betroffenen Gruppe die Fähigkeit abspricht, sich und ihre Erfahrungen selbst darzustellen. Im Deutschen findet sich das Wort seit Anfang des 21. Jahrhunderts in Diskussionen der amerikanischen Film- und Theatergeschichte, meist in der englischen Form Blackface. Seit 2009 bezieht es sich immer häufiger auch auf deutsche Theateraufführungen und die Form wandelt sich zum nur noch oberflächlich englischen Blackfacing. In jüngerer Zeit wird es verstärkt auch in Zusammenhängen außerhalb des Theaters verwendet, 2014 etwa in Bezug auf die Tradition des Sternsingens, auf eine Saalwette bei „Wetten, dass..?“, bei der die Zuschauer sich mittels Schuhcreme als Kinderbuchfigur Jim Knopf verkleiden sollten, oder auf deutsche Fußballfans, die sich beim WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana schwarz schminkten. Dabei findet sich vereinzelt auch schon ein im Deutschen gebildetes Verb, blackfacen (blackfacete, geblackfacet).

Um Anglizismus des Jahres zu werden, muss ein Wort ganz oder in Teilen aus dem Englischen entlehnt sein, im betreffenden Jahr eine deutliche Verbreitung im Sprachgebrauch erfahren haben und eine interessante Lücke im Wortschatz des Deutschen füllen. Normalerweise entsteht eine solche Lücke, weil eine neue Technologie, gesellschaftliche Praxis oder Idee benannt werden muss. An Blackfacing überzeugte die Jury, dass die Tradition der Darstellung schwarzer Menschen durch entsprechend geschminkte Weiße in Deutschland schon sehr lange existiert, dass aber erst seit der Entlehnung und Anpassung des englischen Blackface/Blackfacing ein Wort gibt, mit dem diese Tradition benannt und bewertet werden kann.

Big Data. Mit der modernen Informationstechnologie ist es möglich geworden, Datenmengen zu speichern, die zu groß sind, um sie mit herkömmlichen Verfahren zu ordnen oder gar auszuwerten. Big Data nennt man sowohl diese Datenberge als auch neu entwickelte Verfahren zu ihrer Untersuchung. Das Wort wurde 2014 massentauglich, als Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, das Big-Data-Mining sei profitabler als der Steinkohlebergbau.

Selfie. Digitale Selbstporträts in sozialen Netzwerken waren vor 2013 zwar nicht unbekannt, aber unbenannt. Dann entstand im australischen Englisch das Wort Selfie, eine Ableitung aus self portrait mit der typisch australischen Verkleinerungsendung -ie. Von dort aus eroberte es die ganze Welt und spielte 2014 auch in Deutschland eine wichtige Rolle, etwa in der Diskussion um das „Kneipen-Selfie“ der Bundeskanzlerin am Rande des G-20-Gipfels. Die große Breitenwirkung des Phänomens „Selfie“ drückt sich auch in der Wahl des Wortes zum Publikumsliebling aus.

Social Freezing. Das Einfrieren von Eizellen zur karrierebedingten Verschiebung der Familienplanung heißt im Englischen social egg freezing. Das Deutsche ließ kurzerhand das egg weg und verkürzte die Formulierung so zu Social Freezing. Das Wort spielte 2014 vor allem in der Diskussion um die Firmen Apple und Facebook eine Rolle, die für ihre Mitarbeiterinnen die Kosten für diesen Vorgang übernehmen und dafür vereinzelt Lob aber überwiegend Kritik ernteten.

Photobombing. Läuft oder springt jemand aus Versehen oder mit Absicht in ein Foto fremder Leute hinein und „sprengt“ auf diese Weise das Motiv, bezeichnet man das im Englischen – und seit einigen Jahren auch im Deutschen – als Photobombing. Im Jahr 2014 tauchte z.B. die britische Königin auf einem Selfie von zwei australischen Hockeyspielerinnen auf. Für die Miss Libanon wurde Photobombing zur möglichen Ausrede, als bei der Miss-World-Wahl ein Foto von ihr und der Miss Israel entstand.

Sexting. Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Smartphones mit Kamera entstand auch die Tradition, einem geliebten und/oder begehrten Menschen erotische Selbstportraits zu schicken. Seit 2009 wird diese Tradition in Deutschland mit dem englischen Kofferwort Sexting (aus Sex und Texting) bezeichnet und diskutiert, wobei die Gefahren (etwa das ungewollte Verbreiten der Bilder durch den Empfänger) stark im Vordergrund stehen. (Berlin, 27.1.2015)

[Laudatio für Blackfacing im Sprachlog]

Die Jury

Ausgewählte Pressestimmen

Deutschland, Österreich, Schweiz

International

Materialien zur freien Verwendung

Offizielle Pressemitteilung zum Anglizismus des Jahres 2014 (Deutsch)
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5 Antworten zu „2014

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